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Konzept


Ein neues Konzept für das KlosterMuseum Bad Emstal-Merxhausen

Im Jahr 2013 blickt das Kloster Merxhausen auf eine einmalige Geschichte zurück, die 800 Jahre Frauengeschichte auf engstem Raum in verschiedenen Institutionen umfasst.

1213 wohl als Einrichtung für gläubige Männer und Frauen etabliert, fungiert es nach dem Weggang der Stiftsherren Mitte des 13. Jahrhunderts als Nonnenkloster, bevor es wegen „liederlicher“ Führung zwischen 1489 und 1527 noch einmal mit Mönchen belegt und infolge der Reformation wie andere Klöster 1527 aufgehoben wird. Ab 1533 firmiert die Institution bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als eines von vier Hohen Hessischen Hospitälern, die Landgraf Philipp von Hessen stiftete.

Mit Umwandlung zum Hohen Hospital wird Merxhausen zuständig für die Versorgung kranker, armer, hilfsbedürftiger Frauen. Dieses Merkmal bleibt erhalten, als sich das Hospital im 19. Jahrhundert zur Anstalt für geistig und seelisch Erkrankte entwickelt. Erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts stehen die örtlichen psychiatrischen Kliniken Frauen und Männern offen.

Die Frauenbelegung bleibt somit über Jahrhunderte ein Spezifikum der Merxhäuser Einrichtungen. In acht Jahrhunderten Kloster-, Hospitals- und Klinikgeschichte sind stets Frauen als Nonnen, Patientinnen, Pflegerinnen und Angestellte im Ort nachweisbar. Daher soll künftig schwerpunktmäßig die Geschichte der Merxhäuser Pflege- und Heilinstitutionen unter Beachtung frauenspezifischer sowie medizin- und sozialgeschichtlicher Aspekte dargestellt werden.

Die Phasen vom Kloster über das Hohe Hospital, das Irrenhaus, die Landesheilanstalt bis zur modernen Sozialen Psychiatrie zeigen in ihrer geschichtlichen Abfolge, wie Frauen und welche Frauen zu unterschiedlichen Zeiten aus welchen Gründen in der jeweiligen Einrichtung lebten – wie sie verwahrt, gepflegt, therapiert oder im Nationalsozialismus schließlich getötet wurden.

Dieser Gender-Ansatz wird von der Institutionengeschichte begleitet, die den zeitlichen Ablauf nachvollziehbar macht und die Frauengeschichte(n) mit den Veränderungen in Organisation und Trägerschaft der Einrichtungen sowie den Entwicklungen in Sozial-, Medizin-, Psychiatrie- und politischer Geschichte verbindet. Ausgewählte „Lebens- und Krankheitsbilder“ sowie Themenschwerpunkte, die die Kultur des Zusammenlebens, des Helfens, des Heilens in der jeweiligen Zeit illustrieren, sind das Anliegen der geplanten Ausstellung. Dabei steht von den Anfängen bis heute der Mensch im Hospital, in der Heilanstalt im Vordergrund – als Patientin, als Stifter, Spender, Leiter, Bediensteter und auch Angehöriger.

Hauer-Krause, Oktober 2012

Anmerkung:
Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen ist das Kloster Merxhausen von Beginn an als Frauenkloster und nicht als Doppelstift konzipiert gewesen. Somit kann durchaus mit gutem Gewissen in Merxhausen (mit kurzzeitigen Ausnahmen wie vorreformatorische Zeit, Kriegszeiten) von einer durchgängigen Frauengeschichte 1214 bis 1974 gesprochen werden.

Naheliegend ist weiterhin der Einfluss der „Beginen“, einer Frauenbewegung aus dem Mittelalter in unserer Region. Die Frauen konnten bis 1489 das Kloster Merxhausen zu regionaler Bedeutung und wirtschaftlichem Erfolg führen. (Vgl.: Schmidt, Waltraud: Vom Augustinerinnenkloster zum Hohen Hospital Merxhausen, Imhof Verlag, Petersberg 2013)