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Lebensbilder - Leidensbilder - Frauenbilder:


Unter dieser Rubrik wollen wir das Thema der Rahmenkonzeption zu einem europaweit einmaligen Museum in Bad Emstal durch Texte und Bilder erläutern und erklären. Die Seite wird in unregelmäßigen Abständen ergänzt, Anregungen nehmen wir gerne entgegen.

Lebensbilder - Leidensbilder - Frauenbilder

  1. Frauenbilder (Grundlagentext I):

    Das derzeit älteste „Frauenbild“ ist etwa 40.000 Jahre alt. Die „Venus vom Hohlen Fels“. Julia Voss beschreibt in dem Artikel der FAZ, 8.2.2013 „Eiszeit“, wie eine neue Sichtweise der Kuratorin und Archäologin Jill Cook auf die „Frauenbilder“ dazu führt, den Begriff der „Venus“ zu überdenken. „Skulpturen einer Frau“ ist das Ergebnis einer präzisen Betrachtung der Bilder.

    Warum sollen diese Frauen nicht mehr „Venus“ heißen?

    Voss erklärt dies an zwei Geschichten: 1815 stirbt Sarah Baartman, eine afrikanische Frau, die als „Venus hottentote“ zur Schau gestellt wird. Durch ihre ausgeprägten Körpermerkmale wurde sie „verhöhnt“, „vor allem das ausgeprägte Gesäß“ sprach scheinbar für eine perverse Sexualität, so Voss. Den großen Gelehrten aus Frankreichs schien es nicht pervers, Sarah Baartman zur Schau zu stellen und zu verhöhnen. Dies zeige eine erstaunliche Sicht der männlichen Selbstwahrnehmung zu dieser Zeit.

    1894 interessiert sich Edouard Piette, ein französischer Archäologe, bei der „Venus hottentote“ für die besondere Form der Schamlippen dieser eiszeitlichen Frauenskulptur. Wie die Afrikanerin, so schließt er, müsse „dieses Objekt einer minderwertigen Rasse“ entsprungen sein. Mit diesen Argumenten zieht der Begriff „Venus“ in die Wissenschaft ein.

    Für Jill Cook scheint bei genauerer Betrachtung der nackten Figuren nicht „Sex“, sondern eher eine „Schwangerschaft“ im Vordergrund zu stehen. Betrachtet man die Figuren genau, so sind folgende Haltungen zu sehen: Der Kopf ist meist nach unten geneigt, viele verschränken die Arme über den Bauch, die Fingerspitzen weisen aufeinander zu. Solche Haltungen sind nicht bei erotischen Darstellungen zu finden. Eher wohl bei schwangeren Frauen.

    Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Größe der Figuren, meist wenige Zentimeter groß. Warum sind sie so klein? Liegt es nicht nahe, dass diese Figuren von den Frauen jederzeit bei sich getragen, als „Glücksbringer“ und „Kraftquelle“ für die schmerzhaften Geburten dienten?

    Eine umfangreiche Sammlung von bildlichen Darstellungen über „Frauenbilder“, über Göttinnen vieler Kulturen bis hin zur Jungfrau Maria finden Sie in dem Buch: Erich Neumann, Die große Mutter, Die weiblichen Gestaltungen des Unterbewussten, Patmos Verlag.

  2. 800 Jahre Frauenbilder in Bad Emstal (Übersicht):

    In Bad Emstal besteht in Merxhausen die Einrichtung, die etwa 800 Jahre, von 1213 bis 1974, fast ausschließlich Frauen beherbergte (Chorfrauen, dann Patientinnen) Ausnahmen bestanden in Kriegszeiten.

    Dies ist ein einmaliger Ort und Gegenstand, der dargestellt und erforscht werden soll. Es gibt in ganz Europa keine vergleichbare Einrichtung mit diesem Hintergrund.


Die folgende Gliederung richtet sich nach dem Konzept von Hauer und Krause (2012):

1. Die Klosterphase 1213 bis 1527

1.1 Frauenbilder im Mittelalter

Die „eigentliche“ Frauenbewegung des Mittelalters präsentiert sich in der Beginenbewegung, so Schmidt. Weinmann sieht bei der katharischen (das Ausleben innerer Konflikte und Emotionen) Bewegung in Südfrankreich und den Beginen im Westen Deutschlands zahlreiche Gemeinsamkeiten. Besonders hervorzuheben sind neben der christlichen Armut und dem antihierarchischen Gemeinschaftsleben die Wertschätzung der Arbeit für den eigenen Lebensunterhalt und der hohe Stellenwert der Keuschheit. Die Beginen lehnten die sexuelle Verfügbarkeit für Männer ab, und zwar vor der Ehe, in der Ehe und auch nach dem Tod des Ehemannes. Die sexuelle und eheliche Verweigerung führten zu aggressivem Verhalten von männlichen Zeitgenossen, wie päpstliche Schutzbriefe bezeugen.

Die Beginen waren keine Sekte und auch kein Orden. In vielen Städten, etwa in Köln, Straßburg, Frankfurt, Mainz Basel, Trier, Worms, sind bereits im 13. Jahrhundert Beginenkonvente nachweisbar. In Hessen gab es nach urkundlicher Erwähnung 44 Orte, wo Beginen oder Beginengemeinschaften lebten: Amöneburg, Fritzlar, Kassel, Marburg, Treysa, Volkmarsen und Wolfhagen.

Im 13. Jahrhundert wohnten in Fritzlar zahlreiche Beginen, von denen sogar die Namen überliefert sind. Die Begine Adelheid von Kassel und ihre Nichte Elisabeth entstammten einer Fritzlarer Ratsfamilie. (Vgl.: Schmidt, Vom Augustinerinnenkloster zum Hohen Hospital Merxhausen, Imhof Verlag).

Vor diesem Hintergrund wird das Frauenkloster Merxhausen am 3. November 1213 gegründet. In 1533 werden aus den Klöstern Haina und Merxhausen Spitäler für die arme Landbevölkerung. „Damit (…) alle überreisende(n) wissen möchten, daß (diese Einrichtungen) nunmehr den baufälligen gebrechlichen Armen gewidmet seyen.“ (Vgl.: Friedrich, Heinrich, Vanja (Hg).: Das Hospital am Beginn der Neuzeit, Imhof Verlag).

Hier beginnt die Geschichte einer Einrichtung, die ausschließlich für Frauen bis 1974 vorgesehen war, eine europaweit einmalige Geschichte in Bad Emstal.

Verträge aus dem Mittelalter - Das Kopialbuch Merxhausen

1.2 „Vom Augustinerinnenkloster zum Hohen Hospital Merxhausen (1213 - 1555)“ Von: Waltraud Regina Schmidt (0.87 MB)

2. Reformation und Hospitalsgründung

2.1 „Landgräfin Anna von Hessen (1485 - 1525)“ Von: Sabine Köttelwesch (0.98 MB)

2.2 „Armen- und Krankenfürsorge in der hessischen Reformation“ Von: Walter Heinemeyer (1.86 MB)

3. Das Hohe Hospital in der Landgrafschaft Hessen-Kassel 1533 bis 1803

3.1 „Arme und Kranke in den landgräflichen hessischen Hospitälern“ Von: Christina Vanja (12.00 MB)

3.2 „Die Hohen Hospitäler Hessens“ Von: Karl Demandt (7.31 MB)

3.3 „Die Forsten der Hohen Hospitäler Haina und Merxhausen im 16. Jahrhundert“ Von: Heinrich Boucsein (1.75 MB)

3.4 „Die Vögte von Merxhausen während des 18. Jahrhunderts“ Von: Waldemar Zillinger (0.94 MB)

3.5 „Über die Chirurgi und Wundärzte am Hospital in Merxhausen 1696-1881“ Von: Hermann Grebe (1.10 MB)

3.6 „Und könnte sich groß Leid antun“. Zum Umgang mit selbstmordgefährdeten psychisch kranken Männern und Frauen am Beispiel der frühneuzeitlichen „Hohen Hospitäler“ Hessens. Von: Christina Vanja (1.10 MB)

In: „Trauer, Verzweiflung und Anfechtung – Selbstmord und Selbstmordversuche in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften“, S. 210 -232.

Herausgegeben von Gabriela Signori (Hg). Mit freundlicher Genehmigung des Verlags edition discord, Tübingen

3.7 „Krankheit im Dorf - ländliche Wege des „coping with sickness“.“ Von: Christina Vanja (3.10 MB)

In: Ammerer, u.a. (Hrsg.): „Armut auf dem Lande - Mitteleuropa vom Spätmittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“, Böhlau Verlag, Wien, 2010, S. 159-174

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags böhlau, Wien Köln Weimar

3.8 „Arme Hessen in Kurbädern des 18. Jahrhunderts.“ Von: Christina Vanja (1.04 MB)

In: Weiß/Daum/Watzka (Hrsg.): virus, Beiträge zur Sozialgeschichte, 12, Schwerpunkt: Bäder und Kuren, Verlagshaus für Ärzte, Wien 2013, S. 11-25

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Verlagshaus der Ärzte

4. Die Zeit des Kurfürstentums Hessen 1803 bis 1866

4.1 „Die Ernährung in den Hohen Hospitälern Hessens 1549-1850“ Von: Edith Schlieper (4.09 MB)

4.2 „Der Zwangsstuhl - Ein Beispiel für den Umgang mit Geisteskranken im 19. Jahrhundert in Haina“ Von: Helmut Siefert (1.34 MB)

5. Von der Preußischen Zeit ins 20. Jahrhundert

5.1 „Aufbau und Aufgaben der kreativen Beschäftigungstherapie des psychiatrischen Krankenhauses Merxhausen“ Von: Hermann Erckenbrecht (7.74 MB)

6. Psychiatrie ab 1900

6.1 „Schriftum zur Geschichte und Entwicklung der ehemals Hohen Hospitäler (Haina, Merxhausen, Hofheim, Gronau)“ Von: Rainer Witte (2.56 MB)

7. Nationalsozialismus und "Euthanasie"

7.0 Namensliste der deportierten Frauen aus Merxhausen (1940/41):

Über 500 Frauen wurden von Merxhausen aus nach Hadamar und anderenorts deportiert. Zwei Frauen, Luise Nauhaus und Emma Roth, sind identifiziert. Die meisten Frauen stammen aus Hessen.

Der Verein veröffentlicht die Kopie einer Liste aus drei Gründen:

(Quelle: Autor unbekannt, Archiv des Vereins)

  1. Erinnerung an die getöteten Frauen
  2. Hoffnung, möglichst vielen Frauen ein Gesicht geben zu können.
  3. Nicht nachlassen in dem Bemühen, die Erinnerung wach zu halten, Tätern wie Opfern ein Gesicht zu geben.

Die geplante Dauerausstellung „Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“ soll Frauen aus 8 Jahrhunderten gewidmet sein.

Namensliste der deportierten Frauen aus Merxhausen (5.03 MB)

7.1 Erinnerungen von Angehörigen:

7.2 Erinnerungen von Mitarbeiter/innen:

7.3 Adam Selbert/Elisabeth Selbert (Vortrag von Susanne Selbert):

Adam Selbert, Ehemann der Elisabeth Selbert, wurde 1933 in der Breitenau bei Kassel interniert, später stand er unter der Aufsicht der Gestapo. Ob Adam Selbert als Zwangsarbeiter auch in Merxhausen war, ist auch heute noch nicht erforscht. Ebenso dürfte die eheliche Beziehung einen großen Anteil an der Entwicklung einer starken Frau in Nordhessen nicht unerheblich gewesen sein.

Die Beziehung „Familie Selbert-Nationalsozialismus-Breitenau/Merxhausen-Gleichberechtigung“ berechtigt deshalb den Text an dieser Stelle. Betrachtet man die Person Elisabeth Selbert allein, könnte der Text eher unter Punkt 8 „Nöte der Nachkriegszeit“ eingestellt sein.

Elisabeth Selbert (1896-1986) von Susanne Selbert (0.13 MB)

7.4 Sterben durch den Hungertod:

7.5 Sterben in der Tötungsanstalt:

7.5.1 Emma Roth (1846 – 1941) von Maili Hochhuth (2.38 MB)

7.5.2 Luise Nauhaus (1879 - 1941) (in Bearbeitung)

8. Nöte der Nachkriegszeit

8.1 Mit dem „Kloster“ leben von Liesel Heisig (2014) (1.32 MB)

8.2 Der Auswanderer Fred Koch: Ein Merxhäuser Junge (0.83 MB)

9. Übergang zur Modernen Psychiatrie

9.1 „Das Erbe der Klöster“ Vortrag: Dr. Jürgen Römer (2009) (1.78 MB)

9.1.1 „Die Entwicklung der Psychiatrischen Krankenhäuser Haina, Merxhausen/Emstal und Hofheim/Goddelau unter der Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen und seiner Rechtsvorgänger“ Von: Peter Barkey (1.78 MB)

9.1.2 „Vom Hospital zum Betreuten Wohnen – Die institutionelle Versorgung behinderter Menschen seit dem späten Mittelalter“ Von: Christina Vanja (1.5 MB)

In: Cloerkes/Kastl: Leben und Arbeiten unter erschwerten Bedingungen, Edition „S“, Heidelberg 2007, S. 79-100

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition „S“

9.1.3 „Kassels medizinische Moderne“ Von: Christina Vanja (2.45 MB)

In: Flemming, Jens/Krause-Vilmar, Dietfried (Hrsg): Kassel in der Moderne. Studien und Forschungen zur Stadtgeschichte. Schüren Verlag. Marburg 2013, S. 233-258

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Schüren

9.2 Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder:

9.3 Polizei und Psychiatrie