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Die Chatten:


Außer der Tatsache, dass sie ein rein germanischer Volksstamm waren, lassen sich von der aktuellen Wissenschaft weder Herkunft der Chatten noch ihre Sprache oder gar eine durchgehende Geschichte von ca. 600 Jahren (d.h. von der Einwanderung der Chatten bis zur Christianisierung durch Bonifatius) schlüssig rekonstruieren. Ihre Sprache, ja selbst ihre Namen sind bis auf geringe Erwähnungen von Herzogen oder Priestern durch die zeitgenössischen römischen Geschichtsschreibung vom Nebel der Vergangenheit verweht.

Die ersten Berichte über die Chatten erhalten wir von den Römern.

Germanicus:

14 n. Chr erscheint dann der römische Feldherr Germanicus im Chattenland. Er führt zunächst nur einen Feldzug gegen die südhessischen Chatten durch. Wahrscheinlich nahmen die Chatten ebenfalls an der Schlacht im Teutoburger Wald 9 n. Chr. teil, so daß es sich bei den Feldzügen des Germanicus wohl um Vergeltungsschläge handelte.

Im Jahre 15 n. Chr. wird auch Nordhessen wieder vom Krieg überzogen. Germanicus überschreitet mit 45.000 Soldaten die Eder (Adrana). Die Chattische Jungmannschaft stellt sich ihnen zunächst entgegen, flüchtet dann aber. Die Bevölkerung flieht in die dichten Wälder, während die Römer den Hauptort des Stammes Mattium niederbrennen. Der Name lebt im nahen Dorf Metze und im Bach Matzoff fort.

Tacitus:

Der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus berichtet im Jahr 98 n.Chr. in seiner Germania über die Chatten: "Weiter nördlich beginnt mit dem herkynischen Walde das Land der Chatten; sie wohnen nicht in so flachen und sumpfigen Gebieten wie die übrigen Stämme, die das weite Germanien aufnimmt. Denn die Hügel dauern an und werden erst allmählich seltener, und so begleitet der herkynische Wald seine und endet mit ihnen. Bei diesem Volk sind kräftiger die Gestalten, sehnig die Glieder, durchdringend der Blick und größer die geistige Regsamkeit."

Auch über die Bräuche der Chatten wird uns einiges Berichtet. So erzählt Tacitus, dass sich die Chatten solange nicht den Bart und die Haare scheren, bis sie ihren ersten Feind getötet haben.

Ebenso wird erwähnt das die Chatten mit den Batavern, einem germanischen Stamm den Tacitus als den tapfersten aller Stämme bezeichnet, verwandt waren.

Spätantike:

Anscheinend waren die Chatten auch am Bataveraufstand des Civilis 69/70 n. Chr. beteiligt. Im Jahre 58 n. Chr. erlitten sie eine Niederlage gegen die Hermunduren (in Thüringen ansässig) bei einem innergermanischen Streit um einen Salzfluß, wahrscheinlich der Werra. Die Römer eroberten von den Chatten unter Domitian im Jahre 83 n. Chr. die Wetterau, wodurch sie dort den Limes aufbauen konnten.

Die Franken:

Die enge Nachbarschaft zu den Franken beeinflusste das Wesen der Chatten, behinderte zugleich aber auch eine eigene politische Entfaltung. Ursprünglich Teil des fränkischen Herzogtums, sank das hessische Stammesgebiet schon im ausgehenden 10. Jahrhundert zu politischer Bedeutungslosigkeit herab, bis dann im Dreieck zwischen Werra und Eder und am Oberlauf der Lahn die Landgrafschaft Hessen entstand, die nicht nur den Stammesnamen behielt, sondern auch zur Keimzelle neuer Landesfürstentümer wurde.

Das Siedlungsgebiet:

Die Siedlung von Geismar und andere archäolog. Fundplätze, ebenso die zahlreichen Ortsnamen der ältesten, vorfränkischen Schicht belegen die fortdauernde Besiedlung der n. Beckenlandschaften der Westhess. Senke durch die Völkerwanderungszeit in das FrühMA hinein, bis zum Einsetzen der schriftl. Überlieferung nun für die Hessen. Dieser Befund stützt die seit langem von der Forschung vertretene Meinung, daß die Hessen aus den Chatten in ihrem Kerngebiet hervorgegangen sind, zumal auch der Name Hessen nach allg. Ansicht sprachlich den der Chatten fortsetzt.

Die Hessen werden erstmals um 738 als 'Hessi' in der Adresse eines in der Briefslg. des Bonifatius (ep. 43) überlieferten Schreibens Papst Gregors III. erwähnt. Gemeint waren damit die Bewohner der Beckenlandschaften an unterer Eder, Schwalm und unterer Fulda, wo Bonifatius seit 721 missionierte und seit der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts der 'Hessengau' (pagus Hassorum, Hessorum) erscheint.