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Eisenverhüttung:


Rohstoffversorgung für das Schmiedehandwerk der Altenburg:

Am Nordrand der Altsiedellandschaft des Fritzlar-Waberner Beckens erhebt sich mit 458 m Höhe das aus tertiärem Basalt aufgebaute Bergplateau der Altenburg. Schon im Jungneolithikum des 4. Jahrtausends vor Christi stand hier eine steinzeitliche Höhensiedlung der Michelsberger Kultur. In der Mittel- und Spätlatènezeit (ca. 300 bis 50 v. Chr.) beherrschte eine mit Wällen und Gräben gesicherte stadtartige Siedlung das Altenburgplateau.

Diese Anlage wurde – und wird fälschlicherweise oft noch heute – mit dem vom römischen Historiker Tacitus überlieferten Mattium, dem Hauptort des germanischen Stammes der Chatten, gleichgesetzt. Diese These vertrat zuerst Hermann Hofmeister, der zwischen 1905 und 1913 die Wallanlagen und Siedlungsflächen der Altenburg archäologisch untersuchte. (Hofmeister: 1930) Mattiumwurde laut Tacitus 15 n. Chr. zerstört, die jüngsten Siedlungsfunde stammen dagegen aus der Zeit um 50 v. Chr. Dazwischen klafft eine Lücke von drei Generationen.

Das Fundspektrum der jüngereisenzeitlichen Siedlung der Altenburg zeigt vor allem kulturelle Einflüsse aus dem germanischen Norden und aus Thüringen, wogegen Beziehungen zur Oppidakultur des keltischen Südens weitgehend fehlen. Sie kann deshalb nicht als Oppidum bezeichnet werden. (Söder: 2004) Caesar verwendete diesen Begriff in seiner Schrift über den Gallischen Krieg und beschrieb damit eine große, meist befestigte, stadtartige Ansiedlung mit einer politischen, wirtschaftlichen und kultischen Mittelpunktfunktion für ihr Umland.

Gleichwohl besaß die Altenburg mit ihrer ca. 15 ha großen Siedlungsfläche, ihrer Befestigung und den hier ansässigen Handwerksbetrieben für die umliegenden Flachlandsiedlungen der Niederhessischen Senke eine wichtige Bedeutung. Sie dürfte der Sitz einer (zentralen) politischen und/oder religiösen Gewalt gewesen sein, womit dann auch entsprechende repräsentative Aufgaben verbunden gewesen sein können.

Wirtschaftliche Grundlage für die hier lebenden Menschen war in erster Linie der Ackerbau und die Viehzucht. Auch ein spezialisiertes Handwerk ist in einer solchen Großsiedlung anzunehmen und auf der Altenburg durch Metall-, Holz- und Textilverarbeitung belegt.

Einen großen Anteil am Fundgut machen Waffen (Schwert- und Lanzenfragmente), Werkzeuge und Geräte, Pferdegeschirr und Wagenteile aus Eisen aus. Ein eiserner Amboss, das Fragment einer eisernen Spreizzange und mehrere Eisenbarren unterschiedlicher Form sprechen dafür, dass auf der Altenburg Eisenschmiede ihrem Handwerk nachgingen. Offen blieb bisher, woher die Schmiedehandwerker ihren Rohstoff bezogen, denn Schlacken oder andere Hinweise zur Eisenverhüttung fehlen auf der Altenburg. Dieser Frage sind Dr. Thilo F. Warneke und Rainer Werthmann im Rahmen eines von der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen geförderten Forschungsprojektes nachgegangen. (Warneke/Werthmann: 2003)

Die geologische Karte, Blatt 4721, (Naumburg) verzeichnet drei in der Gemarkung von Bad Emstal-Sand liegende Eisenerzvorkommen, sog. Mutungen. (Horn: 1971) Eine sich auf einer Fläche von ca. 800 x 50 m ausdehnende Lagerstätte erstreckt sich nordwestlich der Sportplätze und auf der Flur „Das hohe Feld“. Bereits beim Bau des älteren Sportplatzes war man auf Konzentrationen von Erzbrocken gestoßen. (Wendel: 1978) Eine neuerliche Geländeprospektion erbrachte zahlreiche Brocken von Brauneisenstein und Manganeisen. Nach Georg Landau soll 1531 am Nordwesthang des Emser Berges ein Erzbergwerk bestanden haben(Landau 1842), dessen Standort jedoch nicht mehr zu lokalisieren war. Die Flur „Im Loche“ bei „Rüppels Keller“ erbrachte ebenfalls Brauneisenstein in großen und kleinen Stücken. Hier konnten früh- bis spätmittelalterliche Keramik, einige Stücke Schlacke und nur wenige, wohl eisenzeitlich zu datierende Wandscherben aufgelesen werden. Die Schlacke stammt wahrscheinlich nicht aus einem Rennfeuerprozess zu Eisenverhüttung und dürfte mit der mittelalterlichen Nutzung des Platzes zusammen hängen.

Mehreren Eisengegenständen von der Altenburg wurden Proben für eine chemische Untersuchung entnommen. Da sich die Zusammensetzung der Spurenelemente im Eisenerz durch den Verhüttungsprozess verändert, musste der Brauneisenstein von der Flur „Das hohe Feld“ in einem Schachtofen, der archäologischen Befunden entsprechend nachgebaut wurde, verhüttet werden. Danach verglich man mittels einer chemischen Analyse die Zusammensetzung der Spurenelemente des Probenmaterials von der Altenburg mit dem im Rennofen gewonnenen Eisen des Erzes vom Fundplatz in der gemarkung Bad Emstal-Sand. Zu Vergleichszwecken wurden darüber hinaus noch weitere Proben heran gezogen.

Auch wenn auf diesem Wege noch keine endgültigen Antworten auf die Frage der Herkunft des Rohstoffes der Altenburger Eisenschmiede gefunden werden konnten, so zeigten sich doch deutliche Annäherungswerte. Es scheint also durchaus möglich zu sein, dass das verhüttete Eisen für die Metallgeräte der Altenburg vom Fundplatz „Das hohe Feld“ stammt.

Literaturnachweis:

  1. Georg Landau, Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen (Kassel: 1842).
  2. Hermann Hofmeister, Die Chatten 1. Mattium –, Germanische Denkmäler der Frühzeit 2,1 (Frankfurt: 1930).
  3. Manfred Horn Blatt, Erläuterungen zur geologischen Karte von Hessen 1:25000, 4721, Naumburg (Wiesbaden: 1978).
  4. Thilo F. Warneke/Rainer Werthmann, Erz – Schlacke – Eisen. Archäologische Prospektionen und chemische Untersuchungen zur Eisengewinnung im Umkreis der Altenburg bei Niedenstein; Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen 7, 200/2003(Rahden/Westf.: 2003).
  5. Ulrike Söder, Die eisenzeitliche Besiedlung der Altenburg bei Niedenstein, Schwalm-Eder-Kreis; Marburger Studien zur Vor- und Frühgeschichte 21 (Rahden/Westf.: 2004).