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Das Gärtnerhaus in Merxhausen:


Idyllischer Ort und Arbeitslager?

An der Einfahrt zum Gutshof in Merxhausen stand bis 1965 ein Haus, das als Gärtnerhaus bekannt war. Im „Situationsplan zur Ausflug der Neubauten“ vom 3. Juli 1880 ist dieses Gebäude als „Gärtner.“ eingezeichnet (Vgl.: Erckenbrecht, 1983, S.27). Der Baubeginn für das Haus ist derzeit noch unbekannt. Für Erckenbrecht war dieser Ort, das Haus mit angrenzendem Gemüsegarten (heutige Stallungen an der Straße nach (Sand, Anm. d. Verf.) ein schöner Ort. „Außerdem schlängelte sich da die Ems, und es gab viele Büsche und Bäume“ (Erckenbrecht, Marieluise: Merxhausen damals... Herausgeber: Psychiatrisches Krankenhaus Merxhausen. Thiele & Schwarz Verlag. Kassel 1983.), sie bedauert 1983 das Fehlen der ruhigen Zeit, „und auch die Liebespärchen in dem kleinen Gärtchen hätten es nicht mehr so lauschig“ (Ebenda, S.112).

Eine andere Seite des Hauses scheint sich nach Berichten einiger Mitbürgerinnen und Mitbürger dazustehen, die bis heute kaum beachtet wurde. Während des 2. Weltkrieges, so ein Mitbürger, wurde das Gärtnerhaus „Breitenauhaus“ genannt.

Etwa sechs bis acht Personen waren darin untergebracht. Sie sollen aus dem KZ Buchenwald über die Breitenau nach Merxhausen als Zwangsarbeiter gebracht worden sein. Eingesetzt wurden die Häftlinge für Arbeiten zur Regulierung der Ems von der Stegmühle bis zur Eismühle. Wie eine Mitbürgerin berichtet, waren weiterhin Aufforstungsarbeiten von Merxhausen in Richtung Sand - etwa bis zum Heldenfriedhof - von diesen Häftlingen zu leisten.

„Die Buchen standen alle in Reih und Glied“. Zur Bewachung der Häftlinge waren jeweils zwei Mann, ehemalige Soldaten, eingesetzt. Davon ist eine Person namentlich bekannt. Da die Aufseher auch aus der Breitenau kamen, wurde ein Wachwechsel häufiger durchgeführt, weil „die Abwesenheit von der eigenen Familie zu lange währte“. Ob ein Zusammenhang zu den psychisch erkrankten Zwangsarbeitern besteht, deren Verbleib recht unklar geblieben ist, kann heute noch nicht gesagt werden und wird ohne persönliche Informationen einzelner Mitbürgerinnen und Mitbürger wohl im Dunkeln bleiben. „Das Schicksal der psychisch erkrankten Zwangsarbeiter ... ist recht spärlich dokumentiert, die „Buchführung“ war nicht so peinlich genau wie bei den Morden an deutschen Patienten.“ (Klüppel, 1984, S. 58).

Nach dem Krieg sollen von den Häftlingen vier Personen als Arbeitskräfte in Merxhausen geblieben sein. Einer soll im Kesselhaus, einer in der Kläranlage gearbeitet haben. Eine Person, ein Josef Radke, soll dann auch in Merxhausen verstorben sein und dort begraben liegen. Die Versorgung der Häftlinge sei über die Anstaltsküche geregelt gewesen, hierbei soll eine Oberpflegerin eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Vor dem Krieg sollen in dem Haus die Eltern des Lehrer Geiger. Der Vater war Gartenmeister in Merxhausen. Die umliegenden Gärten wurden Sander Garten, weil in Richtung Sand liegend und Rieder Garten, weil in Richtung Riede liegend, genannt. Nach dem Krieg wohnten in dem Gärtnerhaus die Familie Magura sowie eine Familie Kuntschner.