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Die Stiftung:


1. Die Stiftung der Hohen Hospitäler
Vom Kloster zum Hohen Hospital
Merxhausen

Vom Almosen zur kostenlosen strukturellen Hilfe

In vorreformatorischer Zeit fanden Arme und Kranke, die in den Dörfern und Flecken, außerhalb einer Familie auf dem Land lebten, an den Klosterpforten eine kurzfristige Hilfe, wenn sie als Bettler um Nahrung und Unterkunft baten. Sie bekamen Almosen. Einige Klöster, u. a. Haina, hatten auch Spitäler eingerichtet, in denen Kranke vorübergehend oder für längere Zeit aufgenommen werden konnten.

Almosen waren der Ausdruck der mittelalterlichen christlichen Tugend caritas. Almosen hatten im Mittelalter ein sehr großes Gewicht für den Heilsweg des Christen; denn sie gehörten zu den Werken der Barmherzigkeit, die im Gleichnis vom Weltgericht (Mat. 25, 31 ff) genannt werden. Die Angst vor dem Tod, dem Fegefeuer, der Hölle und dem Weltenrichter führten im ausgehenden Mittelalter die Menschen dazu, alles, was in ihren Möglichkeiten stand, für ihr zukünftiges Seelenheil einzusetzen. Während die Wohlhabenden durch Stiftungen für Kirchen, Klöster, Messen usw. für ihr persönliches Seelenheil Sorge trugen, sahen die einfachen Leute in der Gabe für den Bettler auf der Straße, im Almosen für die Armen vor der Tür eine Chance zur Sicherung ihres Seelenheils. Noch heute erinnern mittelalterliche Gemälde und in Stein gehauene Weltgerichtsdarstellungen über den Portalen zahlreicher gotischer Kirchen an die Heilserwartungen und Glaubensvorstellungen ihrer Stifter oder Auftraggeber. Solange die Werke der Barmherzigkeit aus Angst vor dem Weltenrichter erfolgten, solange brauchte man Bettler, Arme und Kranke, denen man Gutes tun konnte, um im Endgericht zu bestehen. Eine Instrumentalisierung der Armut konnte nicht ausgeschlossen werden.

Die Menschen der Reformationszeit waren mit diesem religiösen Gedankengang vertraut. Das mag der Grund gewesen sein, warum sich die Marburger Bürger im September 1525 über das Verhalten der Herren der Deutschordensballei empörten und beim Landgrafen eine Beschwerde einreichten. Das Hospital der Ordensballei stand leer und die armen Kranken lagen vor den Türen: “Die Deutschen Herren nehmen in ihr Spital keine arme menschen darin umb gots willen, es vermoge dan etlich gros narung mitzuprengen. Bitten zu verordnen, dass arme burgere und burgerin von Marburg sonder einich gabe aufzunemen sind.” (G. Franz, Urkundliche Quellen Bd. 2, Marburg 1954, S. 11).

Die Misere um die armen Kranken und das Elend besonders der Landbevölkerung war groß. Landgraf Philipp begegnet der Armut und der Bettelei auf seinen vielen Reisen immer wieder. In Ablehnung der Werkgerechtigkeit vertraut er über den Tod hinaus auf die allein selig machende Gnade Gottes. Im Blick auf “die armen Hausleute”, arme Kranken und alte arme Menschen will er Veränderungen schaffen. 1527 schreibt Philipp auf einen seiner berühmt gewordenen Denkzettel: “Item zu gedenken der spitel halben.” (G. Franz a. a. O. S. 25)

Eine intensive, auf Nachhaltigkeit angelegte, Organisation von Spitälern und Hospitälern beginnt. Die in den Städten bereits bestehenden Spitäler werden von Visitatoren, in der Regel von Heinz von Lüder und Adam Kraft, besucht und danach werden Ordnungen hergestellt, die Auskunft darüber geben, wie das Spital geführt und finanziert werden soll.

  • 1531 Der Landgraf schreibt den Vögten zu Haina und Merxhausen, 9. März, dass er beide Klöster mit Zubehör und Gefällen,...
  • “lauter umb gottes willen zu erhaltung armer kranker leut zu zweien spitalen geordnet und darüber Heinz von Lutter und Johann Stotten, Bürger zu Cassel, mit völliger Gewalt gesetzt hat.”
    G. Franz, a. a. O. S. 130f.).
  • 1531 Spitalordnung Gudensberg. Ein Beispiel für die Verwendung von wertvollem Kirchensilber:
  • “Die 80 fl., aus kelchen und silberwerk gelost, sollen von einem rate in 4 jare dem spittal bezalt und gelibbert und dem armut nach notturft und zu besten angelegt werden.”
    (G. Franz, a. a. O. S. 136).
  • 1531 Visitation der Spitäler und Kirchengüter (G. Franz, a. a. O. S. 144) durch Adam Kraft von Fulda und Heinz von Lüder, Ziegenhain
  • 1532 Landgräfliche Verfügung über die Visitation der Spitale und Kasten (G. Franz, a. a. O. S. 165)
  • 1532 Ordnung des Spitals zu Felsberg
  • 1533 Kastenordnung (G. Franz, a. a. O. S. 171 ff.)
  • 1533 Augustinerkloster zu Alsfeld, jetzt Spital, soll einen Garten erhalten und Ur- und Brennholz.
  • 1533 Landgräfliche Fundation für Kasten und Spital in Schotten (G. Franz, a. a. O. S. 178)
  • 1533 Stiftung der Spitäler Haina und Merxhausen (G. Franz, a. a. O. S. 183)
  • 1534 Ordnung des Spitals zu Haina und Merxhausen (G. Franz, a. a. O. S. 189)
  • 1535 Ordnung des Hospitals zu Grebenstein (G. Franz, a. a. O., S. 208)
  • 1535 Hospitalsordnung zu Hofgeismar (G. Franz, a. a. O. S. 212 f.)

Die Aufzählung dieser Stiftungen und Ordnungen lässt erkennen: etwas für die damalige Zeit völlig Neues war im Entstehen. Die christliche Verantwortung für den “armen Lazarus” blieb nicht beim Almosenverständnis stehen, sondern grundsätzliche Regelungen wurden geschaffen, um Armen oder Kranken dauerhaft und kostenlos, das hieß “umb gots willen” Essen, Trinken, Pflege, Seelsorge und Obdach zu geben. Initiatoren waren der Landesherr Philipp und seine Ratgeber und Beamten. Obwohl es sich bei den Stiftungen der “Hohen Hospitäler”, um gemeinen nutz, um staatliche Einrichtungen handelte, fühlten sich der Landgraf und die Räte biblisch und vom evangelischen Glauben her motiviert.

Auf dem Philippsstein in Haina in der alten Klosterkirche, einem Gedenkstein mit Bild- und Textteilen zu Ehren Gottes und zur Erinnerung an Philipp, setzt der Künstler Soldan die Grundgedanken der Armen- und Krankenfürsorge in Bildelemente um. Für den Betrachter steht der Landgraf in der linken Hälfte des Steinreliefs, auf der rechten Seite ist die Heilige Elisabeth zusammen mit einem armen Kranken dargestellt, den sie mit Trank und Speise versorgt. Der “Prototyp des Bedürftigen” (Friedrich, Arnd, Verbum Domini manet in aeternum – Der Philippstein in der Klosterkirche zu Haina in Die Zisterzienser und das Kloster Haina, Petersberg 1998, S. 94) ist im Mittelalter der arme Lazarus, so auch in diesem Bild. Mit der Gestalt des Lazarus werden die hilfsbedürftigen und kranken Menschen des Hospitals ins Bild gebracht. Texte auf dem Stein erklären das reformatorische Anliegen. Der Landgraf steht in der Tradition seiner Ahnfrau, der heiligen Elisabeth, ihr uneigennütziges Anliegen ist das seine, allerdings in einer veränderten Zeit unter veränderten Strukturen. Der arme Lazarus symbolisiert die Situation der armen und kranken Männer und Frauen aus der Landbevölkerung, die nun nicht mehr draußen vor der Tür bleiben müssen, sondern im Hospital eine geordnete Bleibe erhalten haben.

Karl E. Demandt nennt die Einrichtung der staatlichen Armen und Krankenfürsorge einen geradezu revolutionären Akt. Er räumt der Gründung der Hohen Hospitälern einen höheren Rang ein als der Gründung der Marburger Universität. Universitäten wurden in vielen Territorien gegründet, “die Schaffung der vier staatlichen Spitäler war dagegen “beispiellos” und “einzigartig” in ihrer Zeit. (Karl E. Demandt, in “450 Jahre Psychiatrie in Hessen”, Marburg 1983, S. 36)

Die Stiftungen der Hohen Hospitäler Haina und Merxhausen, Gronau und Hofheim waren nur für die Armen und den Kranken aus der Landbevölkerung bestimmt. Die Aufnahme eines Stadtbewohners war die Ausnahme und bedurfte der Regelung durch die Vögte. Die Stiftungsbriefe regeln auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der neuen Hospitäler. In Merxhausen z. B. wurde das Klostervermögen mit Zins, Abgaben und gefellen und allen Rechtsansprüchen auf das Hospital übertragen.

Dass das Hospital in den Anfangsjahren finanziell noch recht gut ausgestattet war, können wir einem Verzeichnis (Staatsarchiv Marburg Best. 4 b, Paket 49, Nr. 12) über Kleinkredite entnehmen. 1539 gibt das Hospital Merxhausen dem Kammermeister des Landesherrn einen Kleinkredit von 1788 Gulden. (vgl. Krüger, K. Finanzstaat Hessen, Marburg 1980, S.228).

Die Belegung der neuen Hospitäler erfolgte sehr schnell. Die Grundordnung verlangte, soviel Arme aufzunehmen, wie versorgt werden könnten. Zunächst sind es in Haina und in Merxhausen je 100 arme Menschen, die kostenfrei im Kloster lebten. 1548 nennt der Obervorsteher Heinz von Lüder bereits eine Zahl von 200 unvermögenden Männern, die im Hospital Haina unterhalten werden müssen, “davon sind über die 30 geborene Narren und Blinde, bis zu zehn sind wahnsinnig und ihrer Vernunft beraubt und liegen in Verwahrung; und die andern sind alt, krank und lahm und mit Plagen und Gebrechen beladen, nicht eingerechnet die Aussätzigen, so dass man etwa 50 Personen zur Wartung dieser Armen und Gebrechlichen benötigt.” vgl. Karl E. Demandt, a. a. O. S. 64 und E. G. Franz, Haina 2, Nr. 1054).

Merxhausen hat 1567 beim Tod des Landgrafen die enorme Zahl von 272 Hospitalinsassen. Die Namen der in die Hohen Hospitäler aufgenommenen Brüder und Schwestern, so wurden die Kranken in der Anfangszeit genannt, sind heute noch in den Akten nachzulesen. Auch Kinder werden mit Namen erwähnt. Das Gesuch um Aufnahme im Hospital richtet sich an den Fürsten direkt oder auch an den Vogt Heinz von Lüder, später an die Söhne des Landgrafen. Kriterium für die Aufnahme in ein Hospital war allein die Armut. Eine Begutachtung durch einen Arzt war nicht vorgesehen.

Die erste Hospitalsordnung, besonders das Grundstatut 1534, lässt uns in vielen Teilen den Geist und die christlichen Motivation erkennen. Es handelt sich fast mehr um ein Programm, um Zielsetzungen, die das Wohl der Armen und Kranken im Auge haben, als um ein Reglement, das mit Verboten oder Anordnungen ein Gemeinwesen von 100 bis 150 Menschen regeln soll. Die folgenden Texte sind Ausschnitte aus der Hospitalsordnung.

(G. Franz, Urkundliche Quellen 2, Marburg 1954, S. 189 ff.)

29. April 1534 Hospitalsordnung, das Grundstatut

  • “und ist vor gut angesehen, das solche armen sollen vornemblich aus den dorfern im furstentumb hin und wider und nicht aus den stetten angenommen werden. Und sollen dieselbige armen lauterlich umb gotts willen nichts anders als allein armut und notturft angesehen und nicht nach gunst, freundschaft, gaben, geschenk, liebens, verehrung, wie menschensinne das erdenken mochten, ingenommen werden. Und soll keiner, der unter 60 jahren sei, angenommen werden, es were dan, das er ein solch gebrechlich mentsch were, das er sonst zu nichts dienlich, sein brot und nahrung mit arbeit nicht erwerben kan.”
  • “Es sein diese zwei stuck fast die notigsten im spital, das man in der kuchen mitzusehe und alles rein, nutzlich und gar gekocht werde und auch treulich den armen gereicht und das die armen teglich ersucht werden und nicht ungetrost pleiben. Es sagt Christus (Mat. 7,12): Was ir wollet, das euch die leute tun sollen, das tut ir inen auch. Das ist das ganze geseze und die propheten. Und aber eins sagt Christus (Mat. 25,40): Was ihr dem geringsten von den meinen tut, das habt ihr mir selbst getan.”
  • “Wen man essen will, so sollen sie sich nacheinander waschen, sezen und betten (beten) und dieweil sie essen, soll man gottes wort lesen und soll zu tisch lesen das neue testament.......des morgens, aber des des abends den cathecismus das jar uber.”

Es folgen Anweisungen über die Zeit und Art des Essens (G. Franz, a. a. O. S. 192):

  • Morgens zu der neunten stunde essen und den Abend zu vier oder fünf Uhr.
  • Zwischen den beiden Mahlzeiten umb ein auhr nach mittage soll man “bier und brot in die stuben tragen und das zusammen trinken. Wen man keese hat, mag man ihnen auch geben.”
  • Die Vorsteher, der Spitalsmeister und Predikant sollen um acht und um vier Uhr essen, damit sie zusehen, wie den Armen gedient werde.
  • Erkrankte Hospitalbewohner und Gefangene, das waren jene Kranke, die unter Aufsicht gehalten werden mussten, erlebten eine besondere Art der Zuwendung, wenn für sie vor dem Eingangstor z. B. Erdbeeren oder anderes Obst gekauft wurde. Bei der Durchsicht von Rechnungen konnte festgestellt werden, dass bei den Einkäufen in Fritzlar oder Kassel stets für die schwer Kranken “Extragaben” wie süße Wecken mitgebracht wurden, um sie mit “bequemen speisen” zu erquicken (Edith Schlieper, Die Ernährung in den Hohen Hospitälern Hessens 1549 – 1850 in 450 Jahre Psychiatrie in Hessen, hrsg. W. Heinemeyer u. T. Pünder, Marburg 1983 S. 213).

Situation des Klosters Merxhausen 1527

Die christliche Ausrichtung der neuen Hospitäler war von ihrem Ansatz und dem Willen des Stifters, des Landgrafen, her noch so prägend, dass die Rede vom protestantischen Kloster nicht ganz unzutreffend ist.

Was aber war mit den ehemaligen Klosterleuten geschehen? Lebten sie weiter im Kloster, im Hospital? Erste Antwort: Wer wollte, konnte im Hospital verbleiben. Einige hatten den evangelischen Glauben angenommen. Die meisten Klosterbrüder ließen sich abfinden. Von einem lesen wir, dass er 1527 in Gudensberg Pfarrer war.

Um die Situation ein wenig zu verstehen, müssen wir zurückblicken. Die Augustinerchorfrauen hatten 1489 nach dem Versuch einer Klosterreform durch Landgraf Wilhelm den Mittleren das Kloster verlassen müssen. Merxhausen wurde mit Mönchen aus Böddecken besetzt, mit Augustinerchorherren von der Windesheimer Kongregation.

Der Begriff Reformation ist nicht erst von den Reformatoren erfunden worden. Vor der Einführung der Reformation in Hessen gab es im ausgehenden 15. Jahrhundert intensive Reformbestrebungen, die ihren Ausdruck in der Reform der hessischen Klöster fand. Hier in Merxhausen waren, wie oben gesagt, anstelle der Ordensfrauen 1489 vom Landgrafen Wilhelm dem Mittleren bereits regulierte Augustiner geholt worden, denn “das Closter zu Merxhausen ......ist verderblich wordenn. So dass der gottesdienst ........ nit gehalten wirt.”

Diese Mönche gehörten der Windesheimer Kongregation an, einer Frömmigkeitsbewegung im Geist der devotio moderna. Die Bemühungen der hessischen Landgrafen für eine Reform der Klöster in ihrem Fürstentum lassen sich für Merxhausen deutlich nachlesen im sogenannten Copialbuch, wo wir vor der Abschrift der Stiftungsurkunde von Philipp dem Großmütigen eine Verordnung von Landgraf Wilhelm finden, aus der ich oben zitiert habe. Philipps Vater, dem Landgrafen Wilhelm II, war die Situation in den Klöstern so wichtig, dass er in seinem Testament 1508 schreiben lässt: “das alle Closter in unserm Furstentumb Grafschaften und herschaften sollen zcu der Reformacion gebracht werden...” (vgl. W. Heinemeyer, Philipp der Großmütige und die Reformation in Hessen, Ges. Aufsätze in Festgabe, Marburg 1997, S. 12).

Die Aufhebung der Klöster im Zusammenhang mit der systematischen Einführung der Reformation in Hessen 1526/1527 war somit das Ende eines Prozesses, der bereits im 14. und 15. Jahrhundert als Reform der Klöster auf Veranlassung des Landesherrn und der Ordensleitungen begonnen hatte. Im Sinne des Testaments seines Vaters arbeitete der junge Fürst an der Wiederherstellung der geistlichen Ordnung der Klöster. Ein bezeichnendes Zeugnis für Philipps Aktivitäten auf diesem Gebiet vor seinem Übertritt zum evangelischen Glauben gibt es aus dem Jahr 1523, in dem sowohl der Schutzbrief seines Vaters für Haina erneuert wird, als auch eine Anordnung erfolgt, Missstände wie Gastereien, Gelage, Trinken und Völlerei mit Adligen aus der Umgebung zu unterlassen.

Säkularisierung und Abfindung der Ordensleute

1527 wurden in Hessen nach Einführung der Reformation die Klöster aufgelöst oder einer neuen Bestimmung übergeben. Die Ordensleute in Merxhausen und Haina konnten, sofern sie es wünschten oder, bei Alter und Krankheit, im Kloster verbleiben, oder sie wurden abgefunden. Ein Verzeichnis über alle Güter und Rechtsansprüche des Klosters wurde erstellt. So haben wir heute noch die Kopien der Privilegien, der Schenkungsurkunden usw. im Copialbuch von Merxhausen, das ein Bruder Joh. Jeronimi und der Spitalmeister Herrmann Biedecapp auf Geheiß von Heinz von Lütter und Stotterjohann 1534 angelegt haben.

Nach dem Protokoll über die Abfertigung der Klosterpersonen, erstellt von Bernhart Klaut, dem Vogt zu Hasungen, und nach den Recherchen von Eckart G. Franz über die Abfindung der Konventualen befanden sich 26 Ordensleute im Augustinerchorherrenstift in Merxhausen. Die Bezeichnung Chorherren mag zu jener Zeit wohl nur noch auf sehr wenige der Mönche zugetroffen haben, denn von den 26 Brüdern waren 17 als Laienbrüder im Kloster. Als in der Landwirtschaft tätige Brüder werden Adam von Hallenberg, verantwortlich für den Ackerstall, und Rutger von Kamp aus dem Land Cleve, 30 Jahre im Kloster und Molkereimeier, genannt. Johann von Neustadt war Prior des Klosters, seit 1506 im Kloster. 4 Brüder waren schon vor der allgemeinen Auflösung des Klosters aus dem Kloster gegangen und abgefunden worden.

Die Abfindungen der Ordenspersonen sind durch Sekretäre und Schreiber genau festgehalten worden. Sie fielen sehr unterschiedlich aus, je nach dem, was ein Mönch oder eine Nonne, ein Konverser (z. B. ein Mann, der nach Ehe, Beruf u. Kindern sich im Kloster nur dem religiösen Leben widmet) oder eine Süster (Schwester) mit in das Kloster gebracht hatte. Die einzelnen Klöster wurden von Visitatoren oder Beamten besucht, um den Ordenspersonen eine Abfertigungsurkunde gegen einen “Verzichtbrief” auszustellen. In Merxhausen und Immenhausen gab es bei der Regelung nach der Säkularisation der Klöster keine Probleme. Die Süstern aus Immenhausen kamen sogar in das neue Hospital Merxhausen und dienten, wie die Legende erzählt, den armen und gebrechlichen Frauen.

Ganz anders verlief die Sequestration des reichen Zisterzienserklosters Haina. Als die Armen und Kranken aus dem Fürstentum in dem Hospital bereits Aufnahme gefunden hatten und dort versorgt wurden, verwickelten die Hainaer Exiläbte noch jahrelang den Landgrafen und seine Vögte in Prozesse am Reichskammergericht. Sie kämpften für die Restitution des Klosters mit all seinen Besitzungen; sie waren bereit, 12 Arme im Kloster zu behalten. Während der Gefangenschaft des Landgrafen gelang es dem schon oft erwähnten Ziegenhainer Hauptmann, dem Obervorsteher Heinz von Lüder, durch seine uneigennützige Leitung der Hospitäler, mit diplomatischem Geschick, einer überzeugenden Erklärung und Verzögerungstaktiken die Existenz der Hohen Hospitäler gegen ihre Widersacher zu sichern. Heinz von Lüder war der Mitbegründer und die eigentliche Seele der Hohen Hospitäler in den ersten Jahren ihres Bestehens. Er war so stark mit dem hessischen Hospitalwesen verbunden, dass er in seinem Testament die Hohen Hospitäler als Erben einsetzte.

Der hessische Landtag hatte in Übereinstimmung mit dem Landgrafen Beschlüsse gefasst, wie die eingezogenen Klostergüter, die regelmäßigen Einkünfte der Klöster und das Vermögen allgemein genutzt werden sollte. Sie sollten verwendet werden:

  • zur Abfindung der Ordensleute, sofern sie das Kloster verlassen wollten
  • zur Bildung junger Menschen aus dem Adel
  • zur Versorgung von unverheirateten Töchtern und jüngeren Söhnen von Edelleuten
  • zur Finanzierung der neuen Marburger Universität
  • für den “gemeinen Nutz”
  • um eine Schatzung zu vermeiden.