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Das Grabmal des Dr. Johann Georg Schmidt:


Das Grabmal des Dr. Johann Georg Schmidt. Inmitten des Bad Emstaler Ortsteils Riede steht am Rande des 2009 neu gestalteten Dorfplatzes ein altes Grabdenkmal. Das Denkmal wurde restauriert und vom Verein zur Förderung des Schlosses Riede im Jahr 2013 wieder aufgestelllt. Die Inschrift auf der eingelassenen Sandsteinplatte lautet: „Johann Schmidt Dr.- geb. 6. Mai 1769 – gestorben 16. März 1801 – In Gedenken an den Arzt und geliebten Gatten“. Gerahmt ist die Inschrift mit zwei Äskulapstäben.

Als Ursache seines frühen Todes wird im Kirchenbuch von Riede eine auszehrende Krankheit angegeben. Weiter heißt es dort, dass Schmidt zwar in Gudensberg wohnhaft gewesen war, jedoch drei Wochen vor seinem Tod, schon krank, zu seinem Schwiegervater dem Schreinermeister Johann Henrich Ritter nach Riede gezogen war. Er hinterließ 32jährig, Frau Katharina geb. Ritter und die einjährige Tochter Karoline Henriette.

Johann Georg Schmidt wurde in Elbenberg bei Naumburg geboren. Nach dem Studium der Medizin in Marburg ließ sich Schmidt als praktischer Arzt in Elbenberg nieder. Auf Empfehlung des Hospitalobervorstehers in Haina, Friedrich von Stamford, wird Dr. Schmidt vom Landgrafen 1797 zum Arzt für Arzneikunde und Chirurgie an das Hospital Merxhausen berufen. Ein Jahr nach seinem Tod wurde ihm auf dem damals noch in der Ortsmitte gelegenen Totenhof in Riede ein Grabmal gesetzt. Zu jener Zeit war es üblich, jung Verstorbene mit einem besonderen Grabmal zu ehren. Das Grabmal des Dr. Schmidt jedoch geht über die damals üblichen Größen und Gestaltungsformen hinaus. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Person des Auftraggebers und zum anderen in der Person des ausführenden Bildhauers.

Den Auftrag für das Grabmal gab der in Riede ansässige begüterte Landrat Heinrich von Meysenbug. Dies als Dank für Schmidts segensreiche ärztliche Tätigkeit, aber auch, wie Quellenhinweise vermuten lassen, als Dank für eine Patenschaft die Dr. Schmidt für den ledigen von Meysenbug übernommen hatte. Die Gestaltung und Ausführung des Grabmals übertrug v. Meysenbug dem Kasseler Bildhauer Johann Christian Ruhl.

Ruhl besuchte ab 1777 bereits als dreizehnjähriger die Kunsthochschule in Kassel. Im Jahre 1786 konnte er dank eines von Landgraf Wilhelm IX gewährten Stipendiums in Paris und Rom seine Kunststudien fortsetzen. Von dieser Reise zurückgekehrt, unterrichtete Ruhl ab 1791 an der Kasseler Kunstakademie. In der Folgezeit war er mit der plastischen Ausschmückung des Schlosses Weißenstein beschäftigt. Für die Löwenburg arbeitete Ruhl Möbel und den landgräflichen Sarkophag. Im Jahre 1806 wurde Ruhl zum Professor der Kunstakademie ernannt.

Bis zu seinem Tod 1842 fertigte er, dem Geschmack der Zeit entsprechend, zahlreiche Reliefs, Büsten und Grabmäler in Kassel und der weiteren Umgebung. Für Riede sind vier Arbeiten Ruhls nachgewiesen, die sämtlich von dem damals in Riede ansässigen Landrat und Schlossbesitzer Heinrich von Meysenbug (1741-1810) in Auftrag gegeben wurden. Drei der Arbeiten fanden in dem nach englischem Vorbild gestaltetem Landschaftspark im Wald von Riede Aufstellung. Der von Ruhl gezeichnete Entwurf zum Rieder Grabmal ist erhalten und befindet sich in der grafischen Sammlung von Schloß Wilhelmshöhe.

Das Grabmal in Riede ist Beispiel hoher klassizistischer Friedhofskultur und das Werk eines Bildhauers, der in unserer Region hohes Ansehen besaß.


Norbert Zimmermann, 21. August 2014