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Die Römer:


Unter dem Titel, „Die Römer im Chattenland“ wird aktuell ein Workshop vom Landkreis Kassel am 2. November 2013 ausgerichtet, weil die Informationen über die Römer in unserer Region deutlicher und präziser werden.

Da einige Bad Emstaler an den ein oder anderen Aktionen um „Die Römer“ schon beteiligt sind, nimmt der Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal dies zum Anlass, den heutigen Wissensstand und aktuelle Hinweise auf seiner Homepage zu veröffentlichen.

Einführung

Zumindest seit Drusus, ganz sicher im Gefolge von Varus sowie zu den Feldzügen des Germanicus und vermutlich bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. sind römische Soldaten durch Nordhessen marschiert. Eine Zeitlang haben römische Bürger im Land der Chatten, der Marser und ihrer Nachbarn begonnen, Städte zu errichten. Die nordöstlichste bekannte römische Stadt auf chattischem Boden wurde bei Waldgirmes im Lahntal ausgegraben. Das bisher nordöstlichste Militärlager wurde bei Hedemünden gefunden. Mindestens eine Straßenverbindung wird es zwischen der Wetterau, dem Lahntal und der Visurgis (Werra/Weser) beziehungsweise Hedemünden gegeben haben.

Die folgende Chronologie ist Teil einer Information des Landkreises Kassel an seine Geschichtsvereine.

Zur Chronologie der letzten 10 Jahre:

  • 2003: Entdeckung des Römerlagers in Hedemünden
  • 2004: Landrat Dr. Udo Schlitzberger: „Der Weg von Mainz nach Hedemünden muss durch den Raum Kassel geführt haben.“
  • 2005: Im Museum von Helmarshausen stößt Dr. Udo Schlitzberger auf eine Schrift von Walter Würfel: „Die Schlachtfelder der Varus-Armee“. Fazit: „Das Sommerlager des Varus lag an der Diemel in der heutigen Stadt Helmarshausen und die Burg des Cheruskerfürsten Segestes befand sich auf der benachbarten Sieburg…“ Walter Würfel empfiehlt auch das Buch seines Wormser Nachbarn, Wilhelm Leise: „Wo Arminius die Römer schlug“. Leises These: „Wege auf den Wasserscheiden führen zum Ort der Varusschlacht“.
  • 2006: Die Landkreise Kassel und Schwalm-Eder veröffentlichen das Buch:„Hessen in der Antike“ - Die Chatten vom Zeitalter der Römer bis zur Alltagskultur der Gegenwart (Herausgeber Dorothea Rohde und Helmuth Schneider).
  • 2006/2007: Ringvorlesung der Universität Kassel mit Prof. Helmuth Schneider über das Thema „Römer vs. Chatten“ in Zusammenarbeit mit dem Denkmalbeirat des Landkreises Kassel.
  • 2008: Zusammenfassung der Ringvorlesung im Buch: „Feindliche Nachbarn“
  • 2011: Es erscheint das Buch „Germania und die Insel Thule“, und es erfolgt eine Kontaktaufnahme zwischen Rainer Sander und dem Autor Prof. Lelgemann sowie ein Treffen in Nord- und Mittelhessen: „Amisia“, einer der drei wichtigsten antiken Orte, liegt laut Prof. Lelgemann im Chattenland. Prof Lelgemannbestätigt die These vom „Sommerlager des Varus in Helmarshausen“. Die Frage der Marschwege wird vertieft: Während die Römer in Nordhessen zunächst sicher die alten Straßen germanischer oder keltischer Bewohner auch als Heerwege benutzt haben, sind im Laufe der Zeit vermutlich eigene, geradlinig verlaufende Straßen entstanden. Möglicherweise hat ein dichtes Straßennetz die Logistik der römischen Eroberer unterstützt.
  • Im selben Jahr erscheint das Buch: Egon Kühn: Munitium – eine andere Sichtweise zu Funktion und Charakter des Römerlagers Hedemünden. Norderstedt 2011

Das Altstraßenthema:

Auf Basis der Arbeit von Georg Wolff haben die „Gruppe Drusus“ und der „Verein für Heimat- und Kulturgeschichte imSchwalm-Eder-Kreis e. V.“ versucht, Wasserscheidenwege aufzufinden. Dabei kamen topografische Karten zum Einsatz. Karten aus frühfränkischer Zeit wurden verarbeitet, eine Karte von Willi Görich zum Thema Wasserscheiden- und Höhenwege im Maßstab von 1:900.000 wurde einbezogen. Der Abschlussbericht von Klaus Grote über 10 Jahre Forschung am Römerlager Hedemünden bestätigt die Thesen über die Wasserscheiden- und Höhenwege. Auch Gustav Adolf Lehmann geht davon aus, dass die Legionen ihre Marschtrassen über dieses uralte Wegenetz genommen haben. Uns ist es inzwischen gelungen, die von Görich aufgezeigten antiken Straßen auf eine moderne topografische Karte im Maßstab 1:25.000 zu übertragen.

2015: Vor 2000 Jahren - Germanicus im Chattenland

Das Römerlager Rödgen bei Bad Nauheim, so sind sich Klaus Grote und der Göttinger Prof. Gustav Adolf Lehmann sicher, war die Versorgungsbasis für Hedemünden. Von Rödgen und Hedemünden aus wurde die Drusus Armee im Jahre 9 v. Chr. auf ihrem Weg an die Elbe versorgt. Wir möchten jetzt den Weg der Drusus-Legionen und ihrer Versorgungseinheiten zwischen Rödgen und Hedemünden erforschen, insbesondere auch, weil im Jahre 15 n. Chr. die Legionen des Drusus-Sohnes Germanicus auf ihrem Wege zur Eder (Adrana) vermutlich die gleiche Trasse benutzt haben.

Das ist der Grund, warum wir unser Thema jetzt in die Breite tragen und alle Geschichtsvereine zwischen Lahn und Weser einladen, an diesen spannenden Entwicklungen mitzuarbeiten.

Wir glauben, dass wir die Strecke jetzt theoretisch kennen und kartografisch darstellen können. Bevor aber nicht jeder Kilometer abgelaufen wurde, bevor nicht jeder Kilometer des Streckenverlaufes auf seine praktische Richtigkeit untersucht wurde, bleibt das Ganze Theorie.

Für uns stellen sich auf der Strecke folgende Fragen:

  1. Sind die Steigungen nicht zu extrem?
  2. Führt der Weg nicht doch noch durch Feuchtgebiete und Sumpf?
  3. Finden wir Stellen, an denen der Weg zwangsläufig entlang gehen muss - sogenannte Hotspots, beispielsweise, wenn Bergrücken auf beiden Seiten von deutlichen Taleinschnitten so begrenzt werden, dass die Trasse zwangsläufig vorgegeben wird?
  4. Sind die Flussüberquerungen richtig angesetzt (Relation von feuchten Wegstrecken zu Abstiegen in das Flussbett und Steigungswinkeln)?
  5. Befinden sich auf oder in der Nähe der Trasse Fundstellen mit römischen Artefakten?
  6. Deuten alte Flurnamen auf die alte Straße hin?

Diese und viele andere Fragen lassen sich nur vor Ort klären und in der Regel auch nur von Menschen mit guter Orts- und Geschichtskenntnis. Das Bild der antiken Mittelgebirgslandschaft stellt sich wie folgt dar:

Flüsse und Bäche mäandern in großen Bögen durch die Täler. Der Talgrund besteht aus Schlamm und Sumpf, dicht bewachsen mit Erlen und Weiden. Es ist unmöglich, die Täler zu queren oder in den Tälern zu reisen. Die Reisenden müssen Flüsse und Bäche meiden, das heißt flussauf marschieren bis zur Quelle und das Gewässer oberhalb der Quelle umgehen. Die vorzeitlichen Fernstraßen verlaufen also über die Wasserscheiden und über die Höhen der Berge. Die Täler der Mittelgebirge bestehen aus Moor und Sumpf. Sie sind unpassierbar. Und Biber errichteten Dämme und machten die Täler und Auen noch unzugänglicher.

Selbst die Heere Karls des Großen marschieren noch auf den alten Höhenwegen. Bis zum Mittelalter waren alle Reisenden auf die Wasserscheidenwege und Höhenwege angewiesen. Das änderte sich erst ab etwa 600 nach Chr., als Wassermühlen an den Flüssen und Bächen gebaut wurden. Die Müller brauchten gleichmäßigen Wasserfluss und zwangen die Bäche allmählich in heutige Betten.

Sie gehören zu den geschichtsinteressierten Menschen und Organisationen, die in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld über mehr Ortskenntnis verfügen als wir. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns gemeinsam Beobachtungen zusammentragen und so ein reales Bild alter Straßen entsteht.