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Altes Schwimmbad:


Für das heutige Bad Emstal ist das Element Wasser ein wichtiger Faktor geworden, der unser dörfliches Leben stark beeinflußt. Als Wirtschaftsfaktor kultiviert, kann die Gemeinde auf eine nähere Betrachtung im Umgang mit diesem Element nicht mehr verzichten: Eine Möglichkeit bietet die historische und sozialgeschichtliche Darstellung. Entlang der Ems gibt es in und um den alten Dorfkern einige Punkte, die geeignet sind, eine geschichtliche Entwicklung zu kennzeichnen. Beispielhaft kann man die Mühlen nennen, die entlang der Ems stehen oder standen, die Lohgerberei sowie auch das Brauhaus am Fischbach. Diese (logische) Linie, hierzu später mehr - zieht sich bis zum Thermalbad. Ein anderer historischer Punkt stellt das Alte Schwimmbad in Sand dar, um das es heute geht.

Es waren politisch aktive Personen, denen wohl Sand das erste Schwimmbad verdankt. Ein Maurermeister Johann Klüppel aus Sand und ein Maurermeister Thiel aus Elben, beide Mitglieder des Kreistages Wolfhagen, nutzten die Gunst der Stunde, als Naumburg einen Geldbetrag zum Bau eines Bades ablehnte. Für Sand blieben 6000 RM, die eben jener Johann Klüppel zum Bau des Bades zur Verfügung hatte. Elben baute ein Bad mit Holzschwellen an der Hardtmühle. Auch damals waren die gemeindlichen Finanzverhältnisse angespannt, ein Zuschuß aus der Gemeindekasse konnte nicht gewährt werden Es war eine Zeit, die von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war, die Finanzierung würde man heute wohl als Arbeits -beschaffungsrnaßnahme bezeichnen. „Ohne Bürokratie und eine besondere Planung“, so Ludwig Bechtel (unveröffentlichtes Manuskript) wurde das Sander Schwimmbad in 1928 gebaut.

Das Foto (Repro, von W. Bubenheim) zeigt das Schwimmbad an der Ems „ Im Loch“. Es war zu erreichen über die Feuergasse und das „Badegässchen“. Heute führt eine Holzbrücke über die Ems zur Bergstraße.

Das erste Sander Schwimmbad, war, wie eine Mitbürgerin berichtet, eingeteilt in einen Schwimmer - und Nichtschwimmerbereich, die durch Balken abgegrenzt waren. Hinzu kam noch ein Bereich, der für die Gänse reserviert war. Da diese sich aber an die Einteilung durch Menschen nicht immer hielten, schwammen natürlich im ganzen Bad Gänsefedern und Gänseschiß.

Ein Mitbürger sagte dazu:“ Das war dann nitt so wie heute, me kamen dann ussem Wasser un hatten um die Schnudde rum alles griene vom Gänseschiß“. Manchmal waren dann noch die Abwässer aus der Lochmühle weitere Badegäste. Auch nicht ungefährlich war das Baden zu jener Zeit, denn der Schlammboden barg manch gefährliche Gegenstände, Schnittwunden und andere Verletzungen gab es häufiger.

Wie die Mitbürgerin weiter erzählte, war es für sie als Kind sehr belustigend, daß ein alter Mann, der am Stocke ging, Bademeister war. Der konnte weder schwimmen, noch jemanden retten, also wurde er von den Kindern ordentlich gehänselt. So lernte sie in dem alten Bad das Schwimmen allein. Wie sie weitererzählt, waren damals schon „Fremede im Bade“, die Erfindung des Badetourismus in Sand kommt also nicht aus heutiger Zeit.

Leider mußte die Mitbürgerin als sie so 13 oder 14 Jahre alt war, auf das Baden verzichten. Der Grund war ein Verbot der Mutter, die meinte: „ Du sodd nit mehr ins Bad un den Jungen düe Beine zeichen“ Hierzu sagte ein Mitbürger: „Me waren dann ja in der Umkleidehütte, die für Jungen un Mächen geteilt war. Me hon abber dann de Astlöcher freigemacht. Me wunden das anere Geschlecht jo au mo nackend sehn“.

Selbst das Freischwimmerabzeichen konnte im Sander Bad erworben werden, so die Mitbürgerin. Die Mädchen mußten die Abzeichen nähen, die die Jungen auf die Badehosen angenäht bekamen. Ein Lehrer Kraft aus der hiesigen Schule soll statt Turnunterricht sehr gern mit den Kindern zum Schwimmen gegangen sein. Der Eintrittspreis, den die Gemeinde Sand erhob, soll 20 Pfennig betragen haben.

Einen ausgesprochenen „Badezeitsprung“ hat dann die schon erwähnte Mitbürgerin etwa im Jahre 1985, nach etwa 50jähriger Badeabstinenz, gemacht. Auf ärztlichen Rat hin sollte sie in das heutige Thermalbad gehen. Im Freibad an der Bundesstraße war sie nie gewesen. Es kostete ihre beiden Söhne große Überzeugungskraft, sie in die Therme zu bewegen. Sie sagte dazu: „Ich stand do un hadde eine unheimliche Angest. Aber minne Söhne hadden gesacht, wer eimol schwimmen gelernt hod, kann das immer. Un dann hon ich mich getraud, un es ging“.

Das erste Sander Schwimmbad bestand bis gegen Ende 1945. Bis 1965 das Bad an der Bundesstraße gebaut wurde, wurde entweder nicht gebadet oder in einem aufgestauten Bereich der Ems oberhalb der Lochmühle am Mühlengraben.