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Wüstung Bernigshausen:


Die Wüstung Berningshausen liegt südlich von Riede im Talschluss des Sombachtales unmittelbar nördlich des Baches am Unter- und Mittelhang des Hinter-Berges im Bereich einer heute gefassten Quelle. Sie dehnt sich auf einer Fläche von etwa 140 mal 100 Meter aus. Archäologische Funde belegen, dass dieser Platz schon Ende des 8. oder Mitte des 9. Jh. besiedelt war. Eine Siedlungskontinuität bis ins Spätmittelalter ist aber unwahrscheinlich.

Erstmals wird Berningshausen 1261 urkundlich erwähnt, als Gerlach von Grifte den Zehnten zu Berningshausen, den er vom Mainzer Stift als Lehen inne hatte, dem Pertersstift in Fritzlar überließ. Zu dieser Zeit muss das Dorf schon eine Weile bestanden haben, denn ab Mitte des 13. Jh. wird eine Adelsfamilie überliefert, die den Namen des Ortes trug. Wir kennen insgesamt sieben Glieder der Adelsfamilie von Berningshausen, von denen einige als Mönche im Kloster Hasungen lebten.

1270 verkaufte Dietrich Gran seine Güter im Dorf Berningshausen an Hartmann von Berningshausen, der sie an das Marienhospital in Fritzlar weiter gab. Schon ein Jahr zuvor hatte das Hospital die Güter der Familie von Herberge in Berningshausen erworben. Die Augustinerinnen als Träger des Fritzlarer Hospitals kaufen 1273 zwei weitere Hufen im Dorf von der Familie von Berningshausen und 1291 zwei Hufen von der Familie Aden. 1297 schließlich vertauschen Dilmann von Waleck und die von Berningshausen dem Hospital ihren dortigen Besitz. Die Augustinerinnen übten auch das Gericht im Dorf aus. In einer Urkunde von 1439 heißt es: "..des vorgenantin clostirs vor funffzig iaren in deme vorgenant dorffe beringeshusen daz gerichte gehegit unde gesissin hette".

1309 erwirbt das Kloster Merxhausen die Anrechte der von Venne am Zehnten in Berningshausen. 1310 schenkte Konrad von Lützelwig dem Kloster einen Zins von einem Hofe dieses Dorfes. Im 14. Jh. werden mehrfach Einkünfte des Petersstiftes in Fritzlar im dortigen Dorfe erwähnt.

Unter dem geistlichen Schutz des Fritzlarer Stiftes fühlten sich die Bewohner des Dorfes offenbar sicher. Doch das Unheil nahte gerade von dort. Reinhard von Dalwigk und sein Neffe Friedrich von Hertingshausen gerieten wegen der Rechte an der Weidelsburg und dem Burgsitz in Naumburg mit dem Erzbischof Dietrich von Mainz in Streit. Im Januar 1443 weilten die Parteien zu einer Schlichtung in Fritzlar. Die beiden Ritter verließen heimlich die Stadt und brannten Berningshausen nieder, das seit dem wüst blieb. Die Feldmark blieb aber bestehen und wurde - wohl von den im benachbarten Lohne unter gekommenen Bewohnern - bewirt-schaftet. Im Zuge der hessischen Reformation wurde Berningshausen, das im landgräflichen Gebiet lag säkularisiert. Die Mater des Klosters Merxhausen, Gertrud von Urf, erhielt es als Abfindung, überließ den Grundbesitz aber 1535 dem Hohen Hospital.

Eine letzte Erinnerung an die mittelalterliche Geschichte Berningshausens wurde wach, als 1876 die Söhne des Glasers Ditmar Ritter aus Riede beim Roden eines Rains einen Tonkrug mit 239 Silbermünzen, zum Teil Fritzlarer Prägung, fanden.