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Wüstung Gershausen:


Die Wüstung Gershausen liegt westlich der von Balhorn kommenden Spole auf einem Gleithang in der Gemarkung von Altenstädt, dicht an der Gemarkungsgrenze zu Balhorn. Der Wüstungsplatz trägt heute den Flurnamen „Bei der alten Kirche“ und dehnt sich auf etwa 260 mal 80 Meter aus. Kalk- und Sandsteinbrocken, Mörtelstücke, Knochen, Schädelreste und zahlreiche Gefäßscherben bezeugen als archäologische Funde die frühere Siedlung mit ihrer Kirche und dem Friedhof. Hervor zu heben ist eine behauene Sandsteinplatte mit einer runden Öffnung, die als Abschlussstein aus dem Glockenturm der Kirche gedeutet wird. Durch die Öffnung könnte einst das Glockenseil geführt worden sein. Es gelang, aus Gefäßscherben einen Kugeltopf aus dem 11. Jh. zu restaurieren.

Die Keramikfragmente lassen sich ins 9. oder 10. Jh., überwiegend ins 12. und 13. Jh. bis ins 15. Jh. datieren. Die Mehrzahl der Ortsnamen mit der Endung -hausen, meist in Verbindung mit einem Personennamen, soll im Zeitraum zwischen 650 und 750 entstanden sein. Gershausen scheint also schon im Frühmittelalter gegründet worden zu sein. Ob das Dorf allerdings kontinuierlich bis ins Spätmittelalter bewohnt war, muss offen bleiben.

1209 wird Gershausen erstmals urkundlich im Besitzverzeichnis des Petersstifts Fritzlar genannt. Das Stift erhob den Zehnten zu Yerdeshusen beziehungsweise in Gertshusen, wie der Ortsname im Verzeichnis von 1310 überliefert ist. Von 1219 bis 1245 wird Gershausen im Archiv des Klosters Hasungen als curia Gershusen, das heißt als Sitz einer klösterlichen Güterverwaltung erwähnt. In einem Bericht Bischof Konrads II. von Hildesheim über die Wunder der heiligen Elisabeth von 1235 wird ein Rutardus de Gerharteshusen genannt.

Über die folgenden zwei Jahrhunderte schweigen die Schriftquellen. Wilhelm Dillich schreibt in seiner hessischen Chronik, dass Naumburg in Kriegszeiten von Bewohnern aus vier verwüsteten Ortschaften - darunter auch Gershausen - erbaut worden sei. Wahrscheinlich hat in der Mitte des 13. Jh. ein Teil der Bewohner Gershausens den Schutz der um 1200 entstandenen Stadt gesucht. Erst 1403 taucht der Name des Ortes wieder urkundlich auf, und zwar in einer Fritzlarer Beschwerde. 1441 war das Dorf bereits wüst, denn ein landgräfliches Gericht sprach Reinhard von Dalwigk seine Rechte an der Wüstung Gershausen zu. Auch in Urkunden des Elberberger Archivs von 1457 wird Gershausen nur noch als Wüstung bezeichnet.

Im Naumburger Salbuch von 1654 ist Gershausen nur noch als Flurname in der Altenstädter Gemarkung zu finden. Die Kirche wird allerdings noch erwähnt. Sie stand unter dem Patronat des Mainzer Johannisstiftes. Lehnsherren waren zu dieser Zeit schon die von Buttlar. In einem Lehnsbrief von 1796 heißt es: „Ich, Georg Friedrich von Buttlar, als jetziger Ältester des Hundischen Stammes zu Kirchberg, thue kund und bekenne kraft dieses Briefes, dass ich belehnt habe ... mit zwey und drey Viertel Acker, Wiesen und Land zu Gershausen im Korbach, am Wege, der von Altenstädt nach der alten Kirche gehet, gelegen ...“