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Wüstung Offenhausen:


Der Name des mittelalterlichen Dorfes Offenhausen hat sich bis heute als Bezeichnung eines Gutsbezirkes am südlichen Rand des Ortsteils Sand erhalten. Hier stand bis 1966 ein großes Gutshaus aus dem Jahre 1742. Das mittelalterliche Dorf Offenhausen lag etwa 200 Meter nordwestlich in der sog. Finkenburg, einem von Westen kommenden Seitental der Ems, etwa 80 Meter nördlich des Baches am Oberhang auf einer natürlichen kleinen Anhöhe im Wiesengelände. Kleine Mörtelstücke und menschliche Knochenfragmente belegen den Standort des Friedhofes und der Kirche. Die Dorfstelle dürfte südlich unterhalb der Kirche am Hang im heutigen Wiesengelände gestanden haben. 1858 war der Kirchhof noch erkennbar. In Sand erzählte man sich früher, dass alle hundert Jahre das Läuten der Offenhäuser Kirchenglocke zu hören sei.

Das Dorf Offenhausen wird urkundlich erstmals Anfang des 11. Jh. als Uffanhusun genannt. Der Ortsname leitet sich aus dem Personennamen Uffo ab. Im Jahre 1209 werden Einkünfte des Petersstiftes in Fritzlar aus dem Zehnten des Dorfes Offenhausen überliefert. 1242 besaßen Graf Ludwig von Wildungen, die Grafen von Schartenberg, die Grafen von Bilstein und Graf Hermann von Schauenburg je ein Viertel des Dorfes. Sie schenkten ihre Anteile dem Kloster Merxhausen. Ein Priester der Pfarrkirche wird 1236 erwähnt, die Kirche selbst 1242, als Erzbischof Siegfried von Mainz sie dem Kloster Merxhausen eingliederte. Er erlaubt, die Gottesdienste durch einen Weltlichen oder Klostergeistlichen versehen zu lassen. Die Kirche muss bald darauf als Filiale der Klosterkirche herabgestuft oder ganz aufgegeben worden sein, denn sie wird später urkundlich nicht mehr erwähnt.

1357 wird Offenhausen als landgräfliches Dorf bezeichnet. 1385 erhielt es Friedrich von Hertingshausen für eine Schuld von 950 Goldgulden von Landgraf Hermann II. verpfändet. 1386 gehörte Offenhausen als landgräfliches Dorf zum Gericht Balhorn. Nach einer Fehde zwischen dem hessischen Landgrafen und Reinhard von Dalwigk und Friedrich von Hertingshausen kam es 1448 zu einem Vergleich. Friedrich musste auf seine Ansprüche am Dorf Offenhausen verzichten. Seit 1437 war Offenhausen aber schon wüst. Die letzte Nachricht hören wir 1535, als das Hospital Merxhausen einen Streit über Rechte an der Wüstung mit der Dorfschaft Sand beilegte. 1936 wurde der Gutshof Offenhausen, der bis dahin zur Anstalt Merxhausen gehörte, in Erbhöfe aufgeteilt.