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25.10.2016

Vortragsveranstaltung am Donnerstag, 27. Oktober 2016 um 19 Uhr:


800 Jahre Frauenbilder in Bad Emstal
In der Soziologie wird heute eine Dreifachbelastung von Frauen (Rollen) besprochen: 1. Die Frau als Hausfrau und Mutter, die noch immer die Hauptlast in der Familie zu tragen hat, 2. Die Frau als Berufstätige, die zum Erwerb der Familie beitragen muss, weil sich die Wirtschaft auf Doppelverdiener eingestellt hat (obwohl die Frau noch immer nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhält) und 3. Die Frau als Pflegerin, weil sie es hauptsächlich ist, die die Pflege der Eltern oder Schwiegereltern übernimmt.

Woher kommt das? Was kann zum Verständnis und weiteren Lösungsansätzen helfen? Hilft ein Blick ins Mittelalter? Versuchen wir es diesmal mit einem Vortrag.

„mein liebe mueter“ – Rollenvorstellungen in spätmittelalterlichen Autobiographien

Vortrag von Anna Hollenbach; KlosterMuseum Bad Emstal, Eintritt: 3,- Euro


Keine andere Rolle ist der Frau so unbestritten zugeschrieben wie die der Mutter. Zudem ist diese soziale Rolle in der gesellschaftlichen Akzeptanz mit hohen Erwartungen verbunden: Eine liebevolle und fürsorgliche Mutter wird in unserer Gesellschaft als Normalität und Selbstverständlichkeit angesehen. Die Vorstellung, im Mittelalter habe es ein solches Ideal von einer liebenden Mutter nicht gegeben, wurde durch die historische Forschung lange Zeit unterstützt.

Anna Hollenbach hinterfragt in ihrem Vortrag dieses bis heute immer wieder reproduzierte Klischee und zeigt mithilfe ausgewählter Autobiographien des Spätmittelalters auf, inwieweit bereits in der mittelalterlichen Gesellschaft die Vorstellung von einer guten, liebenden Mutter bestanden hat. So beginnt beispielsweise der Augsburger Kaufmann Burkhard Zink den autobiographischen Teil seiner Chronik mit „mein liebe mueter“ und weist hiermit auf eine positiv besetzte Beziehung zu seiner bereits früh verstorbenen Mutter hin. Diesem Ideal setzt er die neue Frau des Vaters als böse Stiefmutter gegenüber und ermöglicht damit einen Einblick in spätmittelalterliche Rollenvorstellungen.

Anna Hollenbach hat an der Universität Kassel Geschichte und Deutsch für gymnasiales Lehramt studiert und promoviert nun zum Thema „Mutterschaft im Mittelalter. Normative Konzepte und Narrative Konstruktion“.

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