Für einen vollen Funktionsumfang müssen Sie JavaScript aktivieren!

16.07.2020

Damen von Stande:


Nach dem Willen des Hospitalstifters, Landgraf Philipp I., sollten arme, kranke und hilfsbedürftige Menschen aus den nordhessischen Dörfern aufgenommen und kostenlos versorgt werden. Die „Renovirte Ordnung“ für die Hohen Hospitäler von 1728 ließ ausnahmsweise die Aufnahme Kranker aus den Städten zu, die in den städtischen Hospitälern keine ausreichende Hilfe fanden. Soweit möglich hatten sie oder ihre Angehörigen die Verpflegung zu bezahlen.

So richtet eine Frau hugenottischer Abstammung 1798 einen Bittbrief an Landgraf Wilhelm IX. Der durchlauchtigste Landgraf möge der Aufnahme ihrer 42jährigenTochter, Marguerite La Combe, im Hospital Merxhausen zustimmen. Sie war „Actrice“ (Schauspielerin und Tänzerin) am Kasseler Theater. Marguerite sei in Raserei geraten und habe ihrer Mutter ein Messer an die Kehle gesetzt. Zunächst wurde sie nur polizeilich bewacht, um das Ergebnis einer medizinischen Kur abzuwarten. Als der Erfolg ausblieb, wurde die Künstlerin wegen ihres Wahnsinns gegen ein Kostgeld von jährlich 60 Talern in Merxhausen eingeliefert. Dort musste sie sich aber mit der gemeinen Kost zufriedengeben (Quelle: LWV-Archiv, Bestand 17., Reskript vom 9. Januar 1798)

Das Pensionat für „Damen von Stande“ um 1900   Foto: LWV-Archiv

1827 wurde in Merxhausen nahe der Klosterkirche im Landhausstil das Pensionat erbaut. Es diente allein der Aufnahme der „Damen von Stande“. Sie lebten hier in Einzelzimmern mit Kabinett und durften eigene Möbel mitbringen. Eine Bibliothek und ein Musikzimmer standen ihnen zur Verfügung. Sie bekamen eine gesonderte Kost und brauchten nicht – wie die anderen Hospitalitinnen – zu arbeiten.

Joachim Hübner, Vorsitzender

 

Kommentare:


comments powered by Disqus