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11.05.2017

Sezierraum wird geöffnet - Kulturverein arbeitet weiteres Stück Geschichte der Psychiatrie in Merxhausen auf


MERXHAUSEN. Vermutlich werden die Schicksale, die sich im Sezierraum über der Friedhofshalle in Merxhausen zugetragen haben, nie in Gänze ans Tageslicht kommen. Doch der Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal macht sich nun daran, ein weiteres dunkles Kapitel der Landesheilanstalt aufzuarbeiten, wie die Psychiatrie, in der Frauen untergebracht waren, ab 1929 genannt wurde. Kürzlich schlossen der Verein und die Gemeinde Bad Emstal, die das Gebäude vom Landeswohlfahrtsverband gepachtet hat, einen Vertrag über die Nutzung.
Hartwin Neumann und seine Kollegen wollen den Sezierraum in die Führungen durch das Kloster-Museum Bad Emstal integrieren. Der halbrunde Raum ist in sterilem Weiß bis unter die Decke gefliest. Zum Park hin öffnet sich eine riesige Fensterfront, durch das Sonnenlicht in den Saal fällt. In dessen Mitte steht ein Seziertisch aus Gusseisen, bei dessen Anblick der Betrachter eine gewisse Kälte empfindet. „Der Tod hat hier eine große Rolle gespielt“, sagt Neumann, der seit 19 Jahren an der Spitze des Vereins steht.
Es ist bekannt, dass in Merxhausen viele Patienten durch Euthanasiemaßnahmen umgebracht wurden. Insbesondere Nazi-Ärzte hätten eine perfide Neugierde entwickelt, wie sich die Gehirne verhaltensauffälliger, psychiatrischer Patienten von denen gesunder Menschen unterscheiden. Und bei der Neugierde haben es die Chirurgen offenbar nicht belassen.
Der Seziertisch, stählerne Kopfzwingen, Sägen, Aufbewahrungsgläser und eine Vielzahl weiterer Instrumente, die dafür geeignet sind, Eingriffe in das menschliche Zentralorgan vorzunehmen, sind die gebliebenen Verbindungsstücke zur Vergangenheit, an denen der Verein seine Recherchen ansetzen will. So sollen die chirurgischen Hilfsmittel inventarisiert und ausgestellt werden, kündigt der 63-Jährige an. Auch im Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes und im Militärarchiv in Berlin will der Verein, der 95 Mitglieder hat, auf Spurensuche gehen, um vielleicht in einem Jahr Wissenslücken zu schließen.
 
Aus Gusseisen und mit Wasseranschluss: Der Seziertisch über der Friedhofshalle in Merxhausen. Dass der Raum sich mit riesigen Fenstern in den Park öffnet, führt der Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal, Hartwin Neumann, darauf zurück, dass die Chirurgen bei Tageslicht arbeiteten. Fotos: Thon


Viele sind verhungert
„Wir wissen von 537 Frauen, die weggekommen sind“, sagt Neumann. Viele wurden in Konzentrationslagern ermordet. Eine große Zahl an Frauen sei während der NSZeit auf dem Gelände verhungert.
 
Schrank mit medizinischem Gerät: Im oberen und mittleren Fach sind Zwingen zu sehen, die am Kopf des Patienten fixiert wurden.


HINTERGRUND:
Saisonstart am Sonntag
Das Kloster-Museum Bad Emstal in Merxhausen startet am kommenden Sonntag, 14. Mai, in die neue Saison. In der Zeit von 14 bis 17 Uhr gibt es Führungen durch Kloster, Museum und ab sofort auch durch die Pathologie in der Friedhofskapelle. Für Besucher werden Kaffee und Kuchen angeboten. Kontakt: Leiter des Museums, Ernst Rogge, 05624/ 922291

Von Antje Thon


Quelle: HNA

11.05.2017

Jetzt geht es um das Feinkonzept - Ausstellung über 800-jährige Geschichte der Frauen im Kloster soll in 2019 eröffnen


MERXHAUSEN. Seit Jahren schon arbeitet der Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal an einem gleichermaßen aufwendigen wie ehrgeizigen Projekt. Er will den Frauen, die zwischen 1213 und 1975, in einer Epoche von fast 800 Jahren, im Kloster Merxhausen gelebt haben, eine eigene Dauerausstellung widmen.
Mit seiner Arbeit ist der Verein bereits ein ganzes Stück vorangekommen – Rahmenkonzept und Feinkonzept wurden bereits umgesetzt und 60 000 Euro in das Vorhaben investiert. Nun gehe es um das Gestaltungskonzept und damit um die Frage, wie die Informationen und Ausstellungsstücke präsentiert werden sollen, sagt Vereinsvorsitzender Hartwin Neumann.
Auch wenn die Kasseler Sparkasse die Arbeiten an der Ausstellung „Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“ erst kürzlich mit einer Spende in Höhe von 10 000 Euro unterstützt habe, fehle noch Geld. In anderthalb bis zwei Jahren hofft der Kultur- und Geschichtsverein, die Ausstellung im ehemaligen Gutshof eröffnen zu können.
Vorangekommen sind die Bad Emstaler auch mit der Inventarisierung zahlreicher Objekte. Neumann schätzt, dass etwa 600 Exponate erfasst, mit einer Nummer versehen und beschrieben sind. Bei den Objekten handelt es sich um medizinische Gerätschaften, Bücher und Haushaltsgegenstände.
In der Dauerausstellung dargestellt werden sollen unter anderem: Klosterphase, Reformation und Hospitalsgründung. die Zeit des Kurfürstentums Hessen, die Psychiatrie ab 1900, Nationalsozialismus und Euthanasie sowie der Übergang zur modernen Psychiatrie. Förderer sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung, Vitos-Kurhessen und der Landkreis Kassel. Schirmherrin ist Vizelandrätin Susanne Selbert.
Von der Gemeinde Bad Emstal würde sich Hartwin Neumann eine stärkere Unterstützung wünschen. (ant)


Quelle: HNA

04.04.2017

Schub für einzigartiges Projekt - Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal bekommt 10 000 Euro für große Ausstellung


MERXHAUSEN. Der Kulturund Geschichtsverein Bad Emstal arbeitet intensiv an der Dauerausstellung „800 Jahre Frauenbilder in Bad Emstal“. Die Kosten des Großprojekts im Klostermuseum in Merxhausen: 200 000 Euro. Unterstützung gibt es nun von der Kasseler Sparkasse, die das Vorhaben mit 10 000 Euro fördert. In den Jahren 1213 bis 1975 wurden in dem Kloster und späteren psychiatrischen Einrichtung ausschließlich Frauen beherbergt. Das ist in Europa einmalig.

„Das Projekt hat uns überzeugt.“
Michael Krath, Sparkasse

„Das Projekt hat uns überzeugt“, sagt Michael Krath von der Sparkasse. Viele Initiativen seien ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht möglich. In diesem Fall handele es sich um einen besonderen Schatz der Region: „Das braucht Rückenwind.“ Historiker hatten ein Feinkonzept ausgearbeitet, das auslotet, wie die Ausstellung präsentiert werden kann. Kostenfaktor: 17 000 Euro. Das Geld der Kasseler Sparkasse ist dafür gedacht, das Konzept für die Ausstellung umzusetzen. Begleitet wird das Großprojekt auch vom Landkreis Kassel. „Bei all den tollen Museen, die wir haben: Braucht es noch ein weiteres?“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Und ergänzt direkt: „Bei diesem einmaligen Angebot ist das gar keine Frage.“ Nach mehreren Anläufen und Startschwierigkeiten ist Hartwin Neumann vom Kultur- und Geschichtsverein mittlerweile zuversichtlich: „Bis zum Frühjahr 2019 wollen wir fertig sein“, sagt er.
 
Setzen sich für eine einmalige Ausstellung ein (von links): Michael Krath, Hartwin Neumann und Harald
Kühlborn. Foto: Herwig
Hintergrund:
800 Jahre Frauenbilder in Bad Emstal
„Lebensbilder – Leidensbilder – Frauenbilder“: In diesem Spannungsfeld soll sich die Dauerausstellung etablieren und die 800-jährige Geschichte von Frauen im Kloster Merxhausen erzählen. Dargestellt werden sollen unter anderem: Klosterphase, Reformation und Hospitalsgründung, die Zeit des Kurfürstentums Hessen, die Psychiatrie ab 1900, Nationalsozialismus und „Euthanasie“ sowie der Übergang zur modernen Psychiatrie. Förderer sind das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung, Vitos-Kurhessen und der Landkreis Kassel. Schirmherrin ist Vizelandrätin Susanne Selbert. (cig)

Von Clemens Herwig


Quelle: HNA

03.04.2017

Gänsehaut im Museum - Autorenlesung mit dem Kasseler Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel


BAD EMSTAL. Dass die im Fernsehen laufenden Krimi- Serien nur wenig mit der Wirklichkeit im wahren Leben zu tun haben und nur ansatzweise die tatsächliche Arbeit, der für Tötungsdelikte verantwortlichen Polizeibeamten widerspiegeln, davon konnten sich die Besucher einer Autorenlesung im Klostermuseum Merxhausen überzeugen. Denn der Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal hatte mit Helmut Wetzel einen ausgewiesenen Fachmann eingeladen. Die Arbeitsstelle des 59-jährigen Polizei- Hauptkommissars ist nämlich das Kasseler Kommissariat 11 (K 11), zuständig für Tötungsdelikte, Brandstiftung, Raubstraftaten, Waffendelikte und Vermisstensachbearbeitung.
Helmut Wetzel geht aber nicht nur beruflich tagtäglich auf Verbrecherjagd, sondern betätigt sich in seiner Freizeit auch als Schriftsteller. „Irgendwann habe ich angefangen, Begebenheiten aus dem Dienstalltag aufzuschreiben, einfach, weil sie schön, schrecklich, tragisch oder lustig oder alles zusammen waren. Und weil ich dachte: Schade, wenn das einfach so vergessen wird.“
 
Spannung pur: Der Kasseler Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel gastierte mit einer Autorenlesung beim Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal im Klostermuseum Merxhausen. Foto Michl


Die Idee für sein schriftstellerisches Hobby lieferte ihm sein Ludwigsburger Kollege Volker Uhl. Der im September 2002 bundesweit Polizeibeamtinnen und -beamten animierte, ihre Erlebnisse im Arbeitsalltag literarisch zu verarbeiten.
Inzwischen sind bereits mehrere Bände der Polizei- Poeten mit rund 100 Autoren erschienen. Darunter auch Beiträge von Hertwin Neumann, Vorsitzender des Bad Emstaler Kultur- und Geschichtsvereins.
Der Begriff Autorenlesung mit Helmut Wetzel traf nur teilweise zu. Zwar las er zwei seiner Geschichten vor, überwiegend jedoch erzählte Helmut Wetzel von seinem Beruf und das seiner K11-Kollegen. Dabei nahm nicht nur der professionelle Arbeitsalltag der Kriminalpolizisten einen breiten Raum ein, sondern auch der Blick hinter die persönlichen Kulissen mit Angst, Wut, Verzweiflung oder Mitleid der Protagonisten im oft auch gefährlichen Einsatz, um die Tat aufzuklären und die Schuldigen dingfest zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Wobei Helmut Wetzel seine Zuhörer immer wieder zur Diskussion animierte und sie damit selbst Teil der Autorenlesung in Bad Emstal werden ließ.

Von Reihard Michl


Quelle: HNA

08.03.2017

Feuerwehr mit Sonderstellung - Das Bad Emstaler Erzählcafé beschäftigte sich mit der Geschichte der Merxhäuser Brandschützer


MERXHAUSEN. Interessante Hintergründe zur Feuerwehr in Merxhausen erfuhren die Besucher des Bad Emstaler Erzählcafés.
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Merxhausen war im Landkreis Kassel immer eine Besonderheit. Sie war eng verbunden mit der psychiatrischen Einrichtung im Ort, die bis weit in das 20. Jahrhundert wirtschaftlich unabhängig sein konnte.
Die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landeshospitals, später des Psychiatrischen Krankenhauses und der Sozialen Psychiatrie bescherte der Merxhäuser Feuerwehr oft eine Sonderstellung, weil sie durch die Krankeneinrichtung oft als erste im Landkreis modernste Technik und Geräte zur Verfügung hatte.
Diese Geschichte wurde nun am vergangenen Samstag von den vier Erzählern Helmut Günther, Klaus Richebächer, Holger Christ und Fred Kolling im Klostermuseum Bad Emstal aufbereitet und bebildert dargestellt.
Die Besucher erfuhren eine Menge aus der Vergangenheit der Feuerwehr, aber auch aus der Geschichte des Ortsteils Merxhausens, in dem sich eine Bürgerschaft erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte.
Moderator Helmut Günter sparte bei seinem historischen Abriss über Merxhausen auch nicht die Sorgen um die Zukunft des Ortsteiles aus. (red/nom)


Quelle: HNA

07.02.2017

Geschichten vom Schützenverein - Erzählcafé öffnet am Samstag im Festsaal der Vitos


MERXHAUSEN. Im Erzählcafé des Kultur- und Geschichtsvereins Bad Emstal geht es am Samstag, 11. Februar, um die Geschichte des Schützenvereins Sand.
Seit 1961 existiert der Verein, besitzt ein eigenes Vereinshaus und richtet jährlich die „Volkschießsportwoche“ aus. Der Schützenverein sei ein wichtigen Bad Emstaler Verein, so der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Hartwin Neumann, er leiste wichtige Beiträge zum guten Zusammenleben in Bad Emstal.
Die Erzähler sind Christel Schmidt, Adam Schmidt und Erich May. Damit die Beiträge aus dem Publikum gut sortiert sind, wird Alexander Maul die Moderation übernehmen.
Beginn der Veranstaltung ist um 15 Uhr im Festsaal 105 der Vitos-Kurhessen. Für einen Beitrag von fünf Euro wird Kaffee und Kuchen angeboten. (bar)Mit Halstuch: Gründungsmitglieder im Jahre 1961. Foto: privat/nh


Quelle: HNA